Fünf Tage Zen-Praxis im Waldviertel
Wie kann man so tiefgreifende und bereichernde Tage in Worte fassen? Dies ist ein Versuch: Vom 7. bis 11. Mai 2025 verbrachte eine Gruppe von 11 Mishoanis fünf intensive Tage im Sonnenhof, mitten im Waldviertel, um gemeinsam Zen zu praktizieren.
Unser Tagesrhythmus
Um vier Uhr morgens weckte uns das Glockenläuten. Danach ging es direkt ins Zendo, wo wir mit einem kraftvollen Atta Dipa („Du bist dir selbst das Licht. Vetraue nur auf dich selbst und auf sonst nichts…“) und weiteren Sutren den Tag begrüßten. Beim morgendlichen Kinhin (Gehmeditation) im Garten lauschten wir dem vielfältigen Gesang der Waldbewohner – eine wunderbare Belohnung für das frühe Aufstehen! Der Tagesablauf bot zahlreiche inspirierende Erfahrungen: Nährendes Essen für Körper und Geist, tägliche Taiwa-Gespräche (persönliche 4-Augen-Gespräche) mit Fleur und Wanderungen entlang der Kamp, bei denen einige sich sogar fürs Laufen entschieden. Das umfangreiche Diamantsutra lasen wir auf Deutsch und Japanisch, verteilt über drei Tage. Der Tag endete immer um halb zehn, mit den Schlagen des Han (Holzbrett) und 21 Wiederholungen von Namu Dai Bosa.
Besondere Erlebnisse
Einmal erlebten wir eine traditionelle Matcha-Zeremonie, ein anderes Mal löste das kunstvoll geschwungene Keisaku Verspannungen, die durch das lange Sitzen entstanden waren. Besonders eindrucksvoll war die Meditation am Lagerfeuer – faszinierend, die stets neuen Bewegungen der Flammen zu beobachten und dem Knacken des Holzes zu lauschen.
Geistige Nahrung
Täglich bereicherten uns die Teishos (Lehrreden) von Fleur. Zudem hielt Gerhard H. einen sehr spannenden Vortrag zum Thema „Leere und Energie“ aus physikalischer Sicht, der Brücken zwischen Wissenschaft und Zen-Praxis schlug.
Kreativität und Gemeinschaft
Die Energie, die wir in unsere Zazen-Praxis (Sitzmeditation) investierten, fand auch auf andere Weise Ausdruck. So hielten wir unsere gesammelten Eindrücke in einem gemeinsamen Gruppenbild fest – dabei kamen vielfältige Stile und unterschiedliche Materialien zum Einsatz, wodurch ein facettenreiches Gesamtwerk entstand. Doch auch sonst war jede und jeder Einzelne gefragt: Alle Teilnehmenden übernahmen spezifische Rollen beim Sesshin. Jede einzelne Aufgabe war wichtig für den reibungslosen Ablauf.
Was bleibt
Das intensive Zazen hat meinen Geist spürbar beruhigt und klarer gemacht für die Wahrnehmung des Hier und Jetzt. Das Zwitschern der Vögel klingt klarer als zuvor, das Essen schmeckt intensiver, und ich bin achtsamer im Gespräch mit anderen Menschen.
Wir waren uns alle einig: Beim Sesshin im nächsten Jahr sind wir sicher wieder dabei!
























