Mit anderen Augen sehen … und lächeln!
verfasst von Hermine

Ankunft am „Sonnenhof“ bei starkem Regen und überraschend kühlen Temperaturen an diesem 15. Juli 2026. Aber schon bald ist uns die Sonne hold beim 13. Sesshin (und 13 Teilnehmer:innen), diesmal wieder im Waldviertel. Unter der umsichtigen Leitung von Alexandra haben alle ihre Rollen mit großer Hingabe ausgefüllt, sich gegenseitig unterstützt und so zum Gelingen dieses Sesshins beigetragen.
Nach Sitzen und Meditieren immer wieder eine Wanderung den Kamp entlang, der so manche:n daran erinnert haben mag, dass im Leben alles fließt, wir zwar äußerlich immer die Gleichen bleiben, unser Herz sich aber verändert. Und irgendwann brauchen wir nicht unbedingt Worte, um uns zu verstehen, liebevolle Gesten treten an ihre Stelle. Zen-Praxis führt dazu, dass wir die Dinge mit anderen Augen sehen. Dafür brauchen wir nicht unbedingt ein drittes, wie Fleur angemerkt hat.

Wie die Zeit vergeht …
Es ist vier Uhr morgens, Shinrei! Rasch aufstehen, Morgentoilette, anziehen und ab ins Zendo. Atta dipa, Tisarana, Läuterung, Eröffnung des Dharma und: Rezitation! Verbeugung und Sutrenheft zur Hand und dann im Dunkeln muhen! Wie bitte? Ja tatsächlich, man hat sich nicht verhört. Auf die Form wurde von den Jikis gütig streng geachtet, man denke nur an die Welle! Alle Mishoanis wissen überdies, dass man für die Rezitationen einen langen Atem und eine kräftige Stimme braucht, Hara eben. So wurde die Rezitation von Tag zu Tag harmonischer, bald entwickelte sich ein friedvoller Klangkörper mit den unterschiedlichsten Stimmen, von glockenhell und zart bis sonor und kräftig. Und zwischendurch Kinhin, Körperübungen, Zazen im Freien (einmal sogar mit Lagerfeuer) und natürlich immer wieder Tee, den wir stets in vier Schlucken, nämlich Klarheit, Respekt, Harmonie und Stille, trinken.
Apropos! Das Kommando „Tenzos in die Küche“ sorgt bei so mancher/m insgeheim für Erleichterung, der bald darauffolgende Gong ist nämlich das Zeichen für den Beginn der feierlichen Zeremonie der Nahrungsaufnahme, die gleichzeitig meditative Praxis ist. Die Tenzos haben dabei alle Hände voll zu tun und alle sind von der Herzhaftigkeit der Waldviertler Küche überwältigt. Zweifellos ein Höhepunkt in den frühen Morgenstunden sind wohl die Vier-Augen-Gespräche mit unserer Zen-Lehrerin Fleur, die jede:n Einzelnen in unserer Sangha vermutlich am besten kennt und uns hilft, die eigene Meditationspraxis zu verbessern (nicht aber zu optimieren!).

Zeit ist relativ …
Gerhard H. macht sich gern viele Gedanken zum Thema Zeit und Vergänglichkeit. In einem sehr mitreißenden Vortrag (indem wir allerdings Zeit und Raum völlig vergessen haben) hat er diese erfreulicherweise mit uns geteilt. Lebhafte Diskussionen gingen damit einher, aber immer mit dem nötigen Schuss Humor.
An diesem vorletzten Tag wurden übrigens drei Mishoanis ganz besonders geehrt: Alexandra und Gerhard B. werden für ihre Zuverlässigkeit und ihr jeweiliges Engagement um die Lebendigkeit des Zendos Mishoan als Mentorin/Mentor ausgezeichnet. Für seinen besonderen Zen-Weg und seine langjährigen Verdienste um das Mishoan als Meditationslehrer wird Gerhard H. mit dem Dharma-Namen Gansui ganz besonders gewürdigt.

Es war ein Fest …
Am Samstagabend war das Schweigegebot vorübergehend aufgehoben. Beim gemeinsamen Abendessen, das überwiegend ein Restlessen war, waren alle guter Laune. Es wurde gescherzt und gelacht, nicht zuletzt aufgrund des Überraschungsvortrages von Walter über den Dresscode von Donald Duck („unten ohne“).

Zu guter Letzt …
Für alle Eingeweihten noch ein Tipp zum Schluss, für alle Nicht-Eingeweihten etwas zum Nachdenken: Wenn die Töpfe in den Händen schwer werden, soll man sie fallen lassen. Und wenn man dann nichts mehr in Händen hat, kann man die Töpfe wegtragen. Und warum, Subhūti?
Muuuu!!!

