Zen-Wochenende November 2025

verfasst von Alexandra

Zentrieren, konzentrieren, tun – mit diesen Worten leitet Fleur unser Wochenende ein. „Ich hab mich gefragt, was es eigentlich ist, was wir an diesem Wochenende hier tun, worum es eigentlich geht…und das ist die Antwort! Wir zentrieren uns, dann konzentrieren wir uns und dann handeln wir. Immer wieder von Neuem, jeden Augenblick!“ Was für eine Antwort! Sie reicht als komplettes Lebensmotto und ist einer der vielen wertvollen Momente dieses Herbstwochenendes.

Ebenso wie ein wundervolles Teisho über den Herbst und die Vergänglichkeit. „Was ist das für eine Jahreszeit, in der die Bäume sich verfärben und die Blätter zu Boden fallen“, fragt ein Mönch Meister Ummon. Dieser antwortet: „der goldene Wind offenbart sein wahres Wesen“. Was für ein wunderschönes Bild!

Und so haben auch wir uns von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag in die Stille zurückgezogen, um ihr zu lauschen und vielleicht ein bisschen mehr von unserem wahren Wesen zu erkennen.

Das Haus der Stille in der Steiermark bot uns dazu den perfekten Rahmen. Sabine, eine unserer Tutorinnen, leitet dort seit einiger Zeit einmal wöchentlich eine Zen Gruppe. Gemeinsam mit zwei ihrer Mitsitzerinnen Johanna und Bärbel wurden wir sehr herzlich aufgenommen und auf täglichen Wanderungen haben sie uns zielsicher durch den mystischen Nebelwald vor der Haustür geleitet. „Nebel ist das Wetter mit dem meisten Chi, haben schon die alten Chinesen gesagt“ erklärt uns Fleur. Und diese Energie können wir auch durchaus spüren – und auftanken …durch das Gehen in der Stille und natürlich auch das Sitzen in Stille, Zazen.

Davon hatten wir natürlich auch reichlich! Um 4:30 ging es los, noch lange bevor die ersten Sonnenstrahlen den Tag ankündigen – in 25-minütigen Einheiten, unterbrochen von kurzen Pausen zum Umsetzen oder Kinhin, Gehmeditation im Zendo oder im Garten. Die Stille bleibt unser Begleiter den ganzen Tag über, auch beim Frühstück, beim Samu im Garten, bei der Wanderung, beim Mittagessen. Bis 21:30 zur Nachtruhe üben wir, uns zu zentrieren, zu konzentrieren, z.B. auf unseren Atem oder darauf wahrzunehmen, was in uns so vorgeht, nur um es ebenso wieder ziehen zu lassen. „Wie viele Stunden werden wir eigentlich am Tag sitzen“ fragt eine der neuen Teilnehmerinnen bei der Begrüßungsrunde. Wir wissen es gar nicht genau, beim Nachrechnen kommen wir auf ca. 10 Stunden am Samstag – manchmal ist es besser, wenn man nicht alles vorher weiß. Wir machen einen Schritt nach dem anderen, jetzt – immer jetzt, konzentrieren uns und setzen die nächste Handlung – wieder jetzt.

Wir hören die Inkin, die Takus, mit denen uns Jiki Gerhard in die nächste Handlung leitet – jetzt. Wir hören, wie Ino Michaela die Rezitation einleitet, Gyorin Günther für uns den Takt vorgibt, wir rezitieren mit ganzer Kraft Silbe um Silbe – wieder jetzt. Wir bekommen Tee von Hermine, unserer Teegeberin, trinken ihn mit unserer größtmöglichen Aufmerksamkeit – wieder jetzt – Schluck für Schluck. Klarheit, Respekt, Harmonie, Stille – die Worte, mit denen wir den Tee trinken, werden spürbarer, tiefer, dann mal wieder weniger.

Es passiert viel in diesen zwei Tagen, auch wenn man von außen nicht viel sieht. Abgesehen von den Körperübungen, durch die uns Johanna als langjährige Physiotherapeutin professionell und liebevoll führt, sitzen wir ja „nur“ still da. Aber die Stille kann manchmal auch ganz schön laut sein, wenn die eigenen Gedanken sich aufbäumen wie ein Herbststurm.

Für jeden gibt es unterschiedliche Gründe, sich auf dieses Wochenende einzulassen, für jeden gibt es andere Höhen und Tiefen, jeder nimmt andere Eindrücke, Einsichten oder Erkenntnisse mit, jeder sitzt für sich, aber dennoch mit allen anderen gemeinsam verbunden.

Es ist immer wieder erstaunlich wie viel man von den anderen wahrnimmt und mitnimmt und wie sehr eine Gruppe trägt, selbst wenn man kein Wort miteinander wechselt.  

Für zwei Tage wurde das Haus der Stille zu unserem Zuhause, der Meditationsraum zu unserem Zendo. Wir kehren zurück mit ein wenig mehr Ruhe und Frieden im Herzen….um dann wieder von vorn zu beginnen: zentrieren, konzentrieren, tun 😉